21-05-2012 09:42:50
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drupa 2008: Nachlese
drupa 2008 – was nun?Mehr als 200 interessierte Teilnehmer aus der Druck- und Medienindustrie besuchten am 26.06.2008 die drupa - Nachveranstaltung von Schneidersöhne in der Heidelberger PMA.
Schneidersöhne Deutschland und Heidelberger Druckmaschinen AG präsentierten eine Podiumsdiskussion mit Experten, die Christoph Weinert (Schneidersöhne) moderierte. Die Marktbegleiter manroland und KBA waren mit ihren Vorständen bei Heidelberger vertreten.
Die Podiumsdiskussion ließt die drupa 2008 Revue passieren. Folgende Themen wurden diskutiert: Großformat, Produktivität, Rüstzeitenverkürzung, integrierter
Workflow, Value Added Printing, die Entwicklung der Digitalen Drucksysteme, die
Wechselwirkungen zwischen Druckfarbe und Papier und die ökologischen Aspekte.
In der Diskussion wurde besonders ausführlich über das Großformat gesprochen.
Seitdem Heidelberger diese Formatklasse in ihr Produktportfolio aufnahm, existieren nun insgesamt drei Anbieter in diesem Segment. Zusätzlich zu den etablierten Märkten sieht Rautert (Heidelberger Druckmaschinen) den zukünftigen Gewinn an Marktanteilen besonders in den Wachstumsmärkten Asien und Brasilien.
Sammeck (KBA) verwies auf die 90- jährige Erfolgsgeschichte in dieser Formatklasse und beansprucht deshalb für die KBA die Weltmarktführerschaft.
Rall (manroland) stellte die Erfahrungen von manroland im Großformat dar und hat darauf hingewiesen, dass die Druckqualität und Produktivität im Großformat deutlich verbessert wurde. Insgesamt wurde die Einschätzung getroffen, dass nicht nur dem Verpackungs- und Verlagsdruck sondern auch den mittelständigen Akzidenz-druckereien mit Maschinen der Formatklasse 6 und 7 durchaus erfolgreiche Möglichkeiten zur Leistungssteigerung angeboten werden.
Innovative Lösungen zur Reduzierung von Rüstzeiten waren ein dominierendes Thema nicht nur auf der drupa 2008. Mit Direct Drive von manroland wurden Akzente gesetzt. Der Direktantrieb des Plattenzylinders wurde von allen drei Druckmaschinenherstellern gezeigt, wobei weitere intelligente Lösungen zur Optimierung im Druckprozess angeboten werden, die das Gesamtkonzept zur Rüstzeitenverkürzung abrunden. Darüber waren sich die Experten einig, als die entscheidende betriebswirtschaftliche Komponente ist die Auslastung und Auflagenstruktur der Druckerei zu bewerten. Mit der erheblichen Rüstzeitenverkürzung und Steigerung der Produktivität wird eine Antwort auf den signifikanten Trend zur Kurzauflage gegeben.
Um die wirtschaftlichen und technologischen Potentiale im Druckbetrieb ausschöpfen zu können, ist ein integrierter Workflow laut Schaul (HDM Stuttgart) erforderlich. Viele individuelle Lösungen sind heute im Einsatz, welche nur bedingt den Anforderungen an einen durchgängigen Workflow entsprechen. Zukünftig werden integrierte Softwarelösungen die Prozesse abbilden, die ein vollfunktionsfähiges MIS - System mit dem prozessübergreifenden Workflow verbindet, der sich mit offenen internen und externen Schnittstellen darstellt und dabei noch web - gestützte Komponenten flexibel nutzbar machen kann.
Der Mehrwertdruck oder Value Added Printing wurde mit Lacken, Effektfarben oder Kaltfolie als Inlineveredelung auf der drupa exzellent präsentiert. Die Podiumsexperten vertraten übereinstimmend die Meinung, dass der Mehrwertdruck eine mögliche Strategie ist, um sich im Wettbewerb zu differenzieren aber auch eine große Chance darstellt, das Printprodukt im Medienmix aufzuwerten.
Die Digitalisierung der Druckprozesse im Druckunternehmen standen im Vordergrund der Ausführungen von Herrn Störch (HP Indigo Deutschland), der am Beispiel der Messepräsentation von HP die deutliche Verbesserung der digitalen Druckqualität und die Leistungssteigerung der Digitalen Drucksysteme herausstellte.
Das bedarfsgerechte und damit auch nachhaltige Drucken von individuellen Auflagen ist zeitgemäß und entspricht den heutigen Anforderungen der Endkunden. Die Marktverteilung der Auflagen und die darin enthaltenen Schnittmengen für den konventionellen Offsetdruck und Digitaldruck, besonders bei Kleinauflagen, sind aufmerksam zu beobachten. Die digitalen Geschäftsmodelle werden die Zukunft bestimmen, nicht nur im produktiven Inkjet-Zeitungsdruck.
Über die notwendige Anpassung der Druckfarbe an die immer schneller werdenden
Prozesse sprach Herr Riedlinger (Flint Group). Ziel ist es deshalb ein noch schnelleres Wegschlagen der Druckfarbe zu erreichen.
Es wurde die unterschiedliche europäische Marktdurchdringung mit UV-Systemen diskutiert und eine deutliche Entwicklung zu mehr UV-Anwendungen in Deutschland aufgezeigt. Ab August 2008 fordert die europäische Gesetzgebung migrationsarme Farbsysteme, die besonders im Bereich der Lebensmittelverpackung zum Einsatz gebracht werden müssen. Die Flint Group K+E Druckfarben bietet dazu die gesetzeskonformen Farbrezeptierungen an. Es wurde auf die Kostenexplosion für Energie und Rohstoffe bei der Druckfarben- und Papierherstellung hingewiesen. Hier ist mit Reaktionen der Hersteller zu rechnen.
Lied von Scheufelen sprach für die Papierindustrie und machte deutlich, dass die Papierhersteller auf der drupa mit mehr Engagement auftreten müssten. Das Papier schafft die Voraussetzungen für phantastische Druckprodukte mit höchsten Veredelungsgraden und zeigt die Leistungsfähigkeit in den Technologiepräsentationen der Maschinenhersteller. Dabei sollten die Papierhersteller ihre eigenen Messekonzepte zur drupa neu überdenken. Es wurde über die Entwicklungsarbeit der Papiere berichtet, um den Anforderungen an den Hochleistungsoffsetdruck gerecht zu werden. In der Einschätzung von Lied hat die Papierindustrie ihre Hausaufgaben bis heute gemacht und für die Zukunft sollte die Zusammenarbeit mit den Druckmaschinen-herstellern und der Druckfarbenindustrie intensiviert werden.
Die Experten im Podium waren sich darüber einig, dass der nachhaltige Druck prozessübergreifend betrachtet werden muss, um auch in Zukunft eine attraktive und umweltbewusste Drucktechnologie dem Markt anzubieten. In der Diskussion, die auch von unterschiedlichen Standpunkten geprägt war, wurde deutlich, dass bisher keine verbindlichen und allgemeingültigen Standards vorliegen, die dazu beitragen könnten die die Diskussion zu versachlichen. Im Interesse der Umwelt und unter der Aufforderung zur Nachhaltigkeit sollten umgehend allgemeingültige Richtlinien erarbeitet werden. Die CO2-Bilanz ist sicher ein geeignetes Kriterium, um den Energieverbrauch und damit die Reduzierung von Treibhausgasen zu dokumentieren, wenn die Voraussetzungen für eine sinnvolle und echte Vergleichbarkeit gegeben sind. Verschiedene Drucktechnologien zur Energiereduktion, Emissionsvermeidung und zur Reduzierung von Makulaturen wurden angesprochen und können zukünftig ihren Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Nach Einschätzung der Experten, war die Nachfrage der drupa - Besucher zu ökologischen Aspekten nicht so vordergründig, wie vielleicht vor der drupa 2008 angenommen wurde.